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Ein Beispiel

Ein Radio-Beitrag über ein Kind mit Sichelzellenanämie, macht schnell klar, dass man fundierte biologische Kenntnisse braucht, um dieses Thema zu bearbeiten. Oft reicht Schulwissen nicht aus und Experten müssen befragt werden. Schüler recherchieren selbständig. Motiviert wird diese Recherche durch den Wunsch ein kompetenter Interviewpartner zu sein. Man wird sicher nur dann gute Antworten erhalten, wenn man weiß, um was es geht.

Um die Interview-Aufnahmen im Beitrag gekonnt mit vertiefenden Sprechertexten zu verbinden, braucht man Leute mit Sinn für Sprache. Man muss einen roten Faden entwickeln. O-Töne müssen an- und abmoderiert werden - und das alles knapp, präzise und zugleich so sinnlich wie möglich. Schön, dass man Teammitglieder aus dem LK Deutsch im Kurs hat.

Wie interviewt man überhaupt ein Kind mit einer solchen Krankheit? Wie stellt man die Krankheit im Beitrag dar? Jetzt stellen sich Fragen rund um die Themen Ethik, Werte und Publikumswirksamkeit. Jedem ist klar, dass Trivialniveau sicher gut zu verkaufen, aber nicht angemessen ist.

Was wäre die Gruppe ohne Techniker? Beim Schneiden oder Aufnehmen kommt es immer zu Pannen. Dafür hat man Leute, die sich mit IT auskennen.

Am Ende sollen alle Teile zu einem sinnvollen Ganzen zusammengefügt werden. Jetzt ist Sinn für Komposition, Rhythmus und Dramaturgie gefragt. Schüler, die in den Fächern Kunst oder Musik zuhause sind, geben wichtige Tipps.

All diese Meetings zu koordinieren, fällt nicht leicht. Sich an Absprachen zu halten, Verant­wortung übernehmen, für andere etwas erledigen und alle Informationen für alle bereit halten, das muss schulisch erst einmal organisiert werden. Aber ohne diese Organisation geht nichts.

Schüler erarbeiten einen Sachverhalt, überprüfen ihre Hypothesen anhand von Interviews, überarbeiten daraufhin ihr Konzept und ziehen neue eigenständige Schlüsse. Zuletzt klären sie die Frage, wie die gewonnenen Erkenntnisse verständlich und überzeugend präsentiert werden können.

Themen, die im Unterricht fern und bedeutungslos erscheinen, erhalten Relevanz, weil man nicht nur Informationen aus zweiter Hand erhält, sondern auf Grund von Primärerfahrungen - im Interview - das eigene oft oberflächliche Denken korrigieren muss.

Alle Beteiligten sind in diesem Prozess zugleich Schüler, Forscher und Vermittler.

 

OStR Reiner Geißdörfer – Sigmund-Schuckert-Gymnasium Nürnberg

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